Der Film “Das Licht” hat 2025 die Berlinale eröffnet und für viel Gesprächsstoff gesorgt. Ab dem 20.03.2025 ist er auch in den österreichischen Kinos zu sehen.
Worum geht’s?
Eine dysfunktionale Familie lebt an sich vorbei. Keins der Familienmitglieder nimmt die anderen wirklich wahr, jede*r stolpert durch das eigene Leben alleine. Es ist mehr eine Zweck-WG als eine Familienwohnung. Das ändert sich, als sie die neue Haushälterin Farrah anstellen. Sie hat ihre eigene traumatische Geschichte, da sie eine Geflüchtete aus Syrien ist. Doch in der schnellen und zersplitterten Familie ist sie ein Anker, ein Ruhepol. Sie nimmt sich für alle Zeit, nach und nach lernt sie die Familienmitglieder kennen und wie diese sich untereinander nicht mehr kennen, geschweige denn überhaupt wahrnehmen. Über den Film führt sie alle Mitglieder in die Lichttherapie ein, die sie selbst für sich nutzt. Sie braucht die Familie selbst für etwas und führt sie dadurch auch zueinander. Zueinander als Familie, aber auch jeden einzelnen zu sich selbst.
Diese linke Familie ist ein bisschen kaputt und wir finden das witzig
Jon ist nur noch in seinem Zimmer und spielt ein VR-Spiel – allerdings sehr erfolgreich in einer großen Liga. Frieda ist tagelang mit ihrem Freundeskreis unterwegs, sie tanzen durch die Nacht. Keiner weiß, dass sie nicht zu Hause war. Wie auch, wenn die Mutter Milena ständig zwischen Nairobi und Berlin hin und her fliegt oder im Bundesministerium Geld für Förderprogramme auftreibt. Und der Vater Tim ist beschäftigt mit seinem Job, immer mit dem Rad unterwegs und kommt überall zu spät an. Live & let live. Die Individuen der Gruppe kennen sich nicht mehr.
Jede der Figuren hat ihre eigene Zeit, mit eigenen Themen, an die sie sich einzeln, aber auch langsam wieder als Gruppe annähern. Jedes Familienmitglied hat seine eigenen Lasten und Gedanken, die auch zwischendurch in musikalischen Szenen und Tagträumen gezeigt werden. Die langsame Annäherung der Familienmitglieder wird am besten durch eine Szene zwischen Mutter und Tochter gezeigt: In der Küche stehend, mit der Haushälterin Farrah zwischen sich, schreien die beiden sich an und werfen sich Dinge an den Kopf, die man teilweise nicht mehr versteht. Es ist laut, intensiv und emotional auch irgendwie lösend.

Und genau hier liegt auch die Komik des Films. Denn nicht alles ist ausschließlich von Schmerz und Schwermütigkeit geprägt. Es gibt viele Situationen und Gespräche, die einen voller Lachen erfüllen, weil es teilweise einfach so absurd ist, was da passiert. Auch in den Streit-Momenten, oder besser gesagt, besonders in den Streit-Momenten, findet sich auflockernde Unterhaltung. Lachen geht durch den Raum und die Anspannung kann sich kurz lösen.
Wenn man Unterstützung nehmen und geben kann
Die Geschichte von Farrah erfährt man erst am Ende des Films. Bis dorthin erfährt man immer wieder kleine Informationshappen. Dass sie Lichttherapie macht, eine medizinische Ausbildung in Syrien hat, verheiratet ist mit zwei Kindern, und sie immer wieder mit ihrer Familie in Kontakt ist.
Sie greift so sanft wie bestimmt in das Leben der deutschen weißen Familie ein, dass man sich beim Schauen nicht immer sicher sein kann, was sie vorhat. Sie leitet die Familie durch ihre Krise, durch die Fremdheit untereinander und startet damit mit ihnen eine Art Heilung durch Gemeinschaft. Auch für sich selbst.

Durchhalten zahlt sich aus
Der Film ist unfassbar berührend und aufwühlend. Die 162 Minuten vergehen schneller als erwartet, es gibt keine überflüssigen oder unnötigen Szenen. Ich empfehle bequeme Sessel und unbedingt einen Klogang bevor es losgeht – aber der Gang ins Kino ist es wert. Der Film macht auf zahlreiche gesellschaftliche Probleme aufmerksam, urteilt darüber aber nicht. Das offene Ende lässt uns mit der schonungslosen Realität zurück.
Der Heimweg nach dem Screening ist voller Gedanken und Überlegungen zu den Geschichten. Regisseur Tom Tykwer hat es eigentlich gut zusammengefasst: “Der Film verlangt einiges von einem – aber er gibt einem auch ganz viel”. True that.
“Das Licht” – Filmstart in Österreichischen Kinos am 20.03.2025
TW Epilepsie: Lichttherapie, viel schnell blinkendes Licht
162 Min. (Sitzfleisch ist gefragt!), Regie und Drehbuch von Tom Tykwer
Nicolette Krebitz: Milena Engels, Lars Eidinger: Tim Engels, Tala Al-Deen: Farrah, Elke Biesendorfer: Frieda Engels, Julius Gause: Jon Engels, Elyas Eldridge: Dio