Oper*etten-Talk – NEST ** Zwischen Verwunderung und Erkenntnis

Stellt euch vor, ihr besucht eine Veranstaltung, ohne so richtig zu wissen, was euch erwartet. Genau das ist mir und meiner Begleitung beim „Oper*etten Talk“ der neuen Wiener Staatsoper passiert! Kommt mit auf eine kleine Reise durch einen überraschend interaktiven Abend, der sich um ein faszinierendes Thema drehte: Warum müssen in Opern eigentlich so viele Frauen sterben?

„Sleeping (dying) Beauty – Warum der Sopran sterben muss“: Was uns erwartete – oder auch nicht.

Ehrlich gesagt, waren wir beide ziemlich ahnungslos, was uns bevorstand. „Ich bin komplett unbefangen da reingegangen,“ gestand meine Begleitung. Wir hatten beide mit einer klassischen Podiumsdiskussion zwischen Expert*Innen gerechnet – doch weit gefehlt! Stattdessen erlebten wir ein interaktives Format, bei dem der Moderator gezielt Zuschauer*Innen aus dem Publikum holte, um mit ihnen über Opern zu diskutieren.

Als die ersten Handzeichen gesucht wurden, rutschte ich nervös auf meinem Sitz herum. „Ich hoffe, ich komme nicht dran.“ dachte ich, während ich versuchte, möglichst unauffällig zu wirken. Ich habe zwar schon ein paar Opern gesehen und kenne das Grundkonzept, aber von „Expertin“ bin ich weit entfernt.

3 Runden: Von Expertenwissen zu offener Diskussion

Der Abend teilte sich in drei unterschiedliche Gesprächsrunden. Die erste konzentrierte sich stark auf Opernwissen bzw. zu den Vorlieben in der Oper – etwas problematisch für die beiden ersten Teilnehmer*Innen aus dem Publikum, die damit sichtlich überfordert waren. „Er hätte beim ersten Teil Leute erwischen müssen, die sich besser mit Opern auskennen.“ bemerkte meine Begleitung treffend.

Die zweite Gesprächsrunde fand zwischen dem Moderator und einer Sopranistin statt, die aus eigener Erfahrung berichten konnte und dem Gespräch Schwung verlieh.

Nicole Car / Sängerin & Podiumsgast
Die australische Sopranistin, hat sich als eine der führenden Stimmen ihrer Generation etabliert. Mit ihrem reichen Timbre (=Klangfarbe) und besonderer Musikalität wurde sie zum „Chevalier de l’Ordre des Arts et des Lettres“ ernannt. Die Spielzeit 2024/25 bringt ihr vier wichtige Rollendebüts, darunter Antonia in Wien, Amelia in München, Matréna mit dem Münchner Rundfunkorchester und die Titelrolle in Dvořáks „Rusalka“.

Auf der Couch im Oper*etten-Talk: Nicole Car und Nick Martin-Sternitzke
Auf der Couch im Oper*etten-Talk: Nicole Car und Nick Martin-Sternitzke (c) Jacqueline Scherret

Die dritte Runde öffnete sich zu allgemeineren Themen wie Geschlechterrollen und gesellschaftlichen Entwicklungen. Was vor allem daran lag, dass eine der drei Teilnehmer*Innen an der Runde gar kein Opernwissen hatte. Sie gab nach dem Talk selbst zu, dass sie keine Ahnung von Opern hat und daher das Gespräch absichtlich in eine politische Richtung gelenkt hat, um über etwas zu sprechen, wo sie sich auskennt. Der Abend an sich ist eigentlich abseits der Moderation kaum planbar – denn es kommt immer darauf an, wer auf die Couch geholt wird.

Die Highlights des Abends

Einige Momente bleiben besonders in Erinnerung. Der Moderator zeigte einen lustigen Zusammenschnitt von Sterbegesängen aus verschiedenen Opern. Ein skurriles „Bong, bong, bong“ am Ende brachte uns zum Lachen. Auch die Verbindung zu Popkultur durch einen „Bugs Bunny„-Vergleich war erfrischend!

Besonders spannend waren die Einblicke in die Opernwelt von früher bis heute. Wusstet ihr zum Beispiel, dass sich Sänger*Innen früher Bläschen an den Mundwinkel aufschnitten, um bestimmte Töne und Emotionen zu erreichen? Zum Glück gehören solche extremen Praktiken der Vergangenheit an, auch wenn das Leben als Opernsänger nach wie vor kein Zuckerschlecken ist.

Nick-Martin Sternitzke / Moderation
Nick-Martin Sternitzke studierte Musiktheaterwissenschaft in Bayreuth und Musikjournalismus in Karlsruhe. Als Journalist und Autor arbeitet er für die Kulturwellen der ARD, als Moderator für verschiedene Konzertformate in Baden-Baden und als Dozent für Musikkritik und populäres Musiktheater an den Universitäten in Bayreuth und Hildesheim. Er liebt Oper*ette und ist überzeugt, dass an Lady Gaga eine geeignete Lehár-Interpretin (bisher) verloren gegangen ist

Nick-Martin Sternitzke und der Tod in Oper(etten)
Nick-Martin Sternitzke und der Tod in Oper(etten) (c) Jacqueline Scherret

Unser Fazit: Vielleicht nicht für komplette Newbies, aber trotzdem spannend.

Das Grundkonzept des interaktiven Talks fanden wir beide richtig gelungen. Die Möglichkeit, Teil der Diskussion zu sein und das Programm mitzugestalten, macht solche Veranstaltungen lebendig.

Ist der Oper*etten-Talk etwas für Opern-Neulinge? Ehrlich gesagt: Mit etwas Vorwissen wäre es leichter gewesen, in die Diskussion einzusteigen. „Wenn wir nochmal gemeinsam zu sowas gehen, dann nur, weil wir vorher ein paar Mal bei einer Oper oder Operette waren“ meinte meine Begleitung lachend.

Für alle Opernfreunde oder diejenigen, die es werden wollen, bietet der Oper*etten-Talk jedenfalls eine unterhaltsame Möglichkeit, tiefer in diese faszinierende Welt einzutauchen. Am besten mit etwas Grundwissen im Gepäck!

Der nächste Oper*ettentalk findet am 27. Mai 2025 statt. Diesmal geht’s um’s Geburtstagskind des Jahres 2025 Johann Strauss – mehr Infos dazu gibt’s hier.

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