Es ist ehrlich gesagt schwierig, gute Bücher zu finden, die Kinder zum Lesen animieren, die das Lesen (noch) nicht zu ihren Hobbies zählen. Hier präsentiere ich euch meine Highlights, die ich mit Freude gelesen habe und weiterempfehlen würde.
1. Auf das Eichhörnchen ist Verlass! ** Super-Hörnchen und der verrückte Regenmacher – Russel Punter, Josh Cleland
Worum geht’s? Superhörnchen Nelly beobachtet die Entführung des Wetterexperten Professor Max Murner. Dieser wird von dem Schurken Rocky zu dem Oberhauptschurken Dr. Drippel gebracht, denn der möchte mit der Hilfe des Professors einen Dauerregen verursachen. Superhörnchen tut alles was in ihrer Macht steht um die Katastrophe zu verhindern und steht der Professorenkatze zur Seite. Können sie das Verbrechen stoppen?
Spannender kann ein Erstlese-Werk mit Start-Level nicht sein! Die abenteuerliche Geschichte des mutigen Eichhörnchen-Mädchens begeistert mit tollen Ideen, beeindruckendem Comic und motivierenden Rätseln. Die Mitmach-Übungen können mitgemacht werden, aber beeinflussen nicht den Verlauf der Geschichte, so dass den jungen Leser*innen nicht zu viel Druck aufgebaut wird. Alle Lösungen sind am Ende des Buches gesammelt, sodass der Lesefluss erhalten bleibt. In einfachen, kurzen Sätzen und mit vielen Bildern wird Lust aufs Lesen gemacht. Dieses Buch beweist, dass man mit Einbezug von anderen Kindern und Pädagog*innen echt coole Bücher schaffen kann. Top!
Fischer Sauerländer, ab 7 Jahren
2. Bitte keine Süßigkeiten! ** Mystery Agents – Im Auftrag der N.A.S.E – Cally Stronk, Christian Friedrich, Phine Wolff
Worum geht’s? Die Geschwister Lex und Lupe und ihr Cousin Samy bekommen alle die gleiche Nachricht von ihrer Oma: sie gehen auf eine Mission der Organisation N.A.S.E. Die Drei werden an einen abgelegenen Ort geschickt, wo ein Alien eintrifft. Nachdem Samy das Süßigkeitenverbot gekonnt ignoriert, müssen sie das fressende Alien bekämpfen. Der Sieg über das grüne Krakenwesen ist nur von kurzer Dauer, denn das kugelige Katzenalien wird von einer verrückten Forscherin entführt und sie droht, alle auf den Mond zu schießen. Ob die Kinder sie aufhalten können?
Ein unfassbar spannender Lesecomic mit Pro-Level für Volksschulkinder, der Cartoons, Texte und Rätsel in nur einem Band bietet. Die Geschichte ist mit viel Witz, Abenteuer-Reichtum und Spannung gestaltet und ist das ideale Buch für all jene Kids, die Bücher langweilig finden. Denn dieses Buch ist alles andere als fad! Es gibt viele Rätsel zu lösen, Comics sowie reine Texte, einen Ladebalken, der den gelesenen Fortschritt abbildet. Und dazu kommt sogar eine Hörfunktion, um das eigenständige Lesen zu unterstützen. Lustig, aufregend und super kreativ!
Fischer Sauerländer, ab 8 Jahren
3. Wahre Held*innen brauchen keine Capes ** Monster Jäger – Level 1: Helden-Test – Kieran Larwood, Joe Todd-Stanton
Worum geht’s? Der kleine Gnorg Kit – Halb Zwerg, halb Gnom – wollte schon immer Monsterjäger werden. Als sich die Möglichkeit bietet, sich mit einem Team dem Helden-Test zu stellen, muss er sie nutzen. Der miese Troggel Breck soll miterleben, wie ein Gnorg das fürchterliche Labyrinth bezwingen und gewinnen wird. Kit nimmt mit Sandy, der zukünftigen Seehexe, und dem Vampir Dorn am Wettbewerb teil und muss sich den gefährlichen Aufgaben stellen. Zum Glück hat der Gnorg mit seiner Freundlichkeit wichtige Punkte gesammelt.
Ein unfassbares Abenteuer, bei dem man von Beginn an mitfiebert. Kurze, aussagekräftige Sätze mit eindrucksvollen und humorvollen Illustrationen führen durch das spannende Erlebnis und lassen einen schnell in die Monsterwelt eintauchen. Das Universum dieser Geschichte hat in meinem Kopfkino sofort Gestalt angenommen und mich so beeindruckt, dass ich die Held*innen weiterhin begleiten möchte. Erfreulicherweise sind Band 2 und 3 schon erhältlich!
cbj, ab 7 Jahren 4. Erst recht, weil ich ein Mädchen bin ** Rosalinde hat Gedanken im Kopf – Christine Nöstlinger
Worum geht’s? Rosalinde ist ein aufgewecktes und mutiges Mädchen. Sie hat sehr viele Gedanken im Kopf, die oft so stark werden, dass sie merkwürdig handelt und Menschen um sie herum mit einem großen Fragezeichen hinterlässt. Sie ist viel mit geschlechtsspezifischen Erwartungen konfrontiert, der unbedachten Sprache ihrer Verwandten und den klaren Meinungen anderer. Sie möchte allen beweisen, dass sie werden kann, was sie möchte – auch wenn sie die einzige Torfrau der Schule wird.
Rosalinde ist der Inbegriff von Mut, Selbstbewusstsein und Willenskraft. Sie lässt sich nicht beirren – auch dann, wenn Opa meint, dass ein Bagger kein Geschenk für Mädchen ist. Oder ihr Freund Fredi davon überzeugt ist, dass Mädchen nichts Technisches oder Mathematisches machen können (obwohl er immer von ihr abschreibt). Rosalindes Gedanken sind in ihrer Ausprägung sehr kreativ. Teilweise aber auch irriterend, wenn sie zum Beispiel während der Schulstunde einfach aufsteht und zur Klassentür marschiert, ohne es zu merken.
Ich bin kein Fan von der Sprache der Figuren miteinander. Die Eltern, Großeltern, als auch ihr Freund sprechen sehr abfällig und wertend mit ihr, indem sie Rosalinde als “Giftzwerg” oder “launenhaftes Weib” bezeichnen. An dieser Stelle ist aber wichtig zu betonen, dass das Buch erstmals 1981 erschienen ist. Zu der damaligen Zeit wurden die Sprache und der Umgang voraussichtlich nicht hinterfragt.
Oetinger, 6-8 Jahre
5. Ein Monster als Beschützer ** Ninas Monster – falsch geliefert – Rüdiger Bertram, Matteo Dineen
Worum geht’s? Nina findet Schule alles andere als super. Sie wird ständig geärgert, da sie im Gegensatz zu anderen Kindern nicht in die Schule gefahren wird. Außerdem ist sie ein schüchternes Mädchen, das die Pausen alleine verbringt. Wie durch Schicksalshand fliegt ihr ein Monsterkatalog ins Gesicht und sie beschließt, mit Omas Hilfe ein großes Monster namens Walter zu bestellen. Leider bekommt sie stattdessen aber die ängstliche Mimi zugeschickt. Sie fängt an, das neue kleine Monster ins Herz zu schließen, bis es von der Firma abrupt wieder ausgetauscht wird. Kann sie Mimi zurückholen?
Ninas Monster ist eine wunderbare Geschichte über Mut, Zusammenhalt und wie man durch einen Rollentausch an Stärke gewinnen kann. Nachdem das ängstliche Monster Mimi ihre Hilfe braucht, gewinnt Nina an Selbstbewusstsein und kann immer mehr auf die Meinung der anderen pfeifen. Sprachlich merkt man den kindgerechten Ansatz und spürt, wie sehr der Autor bedacht war, die Erzählung für junge Menschen lustig und lieb zu gestalten. Die Sätze sind kurz und ausdrucksstark und es bietet sich gut als Vorlesegeschichte für Schulanfänger*innen an. Zum Selbstlesen ist es ab 8 Jahren.
Tulipan, ab 8 Jahren
6. Es braucht mehr Spielzeit, aber wie? ** Wundersame Wochentage – Am Somstag fängt das Abenteuer an
Worum geht’s? Man hetzt von einem Termin zum anderen und es bleibt einfach immer zu wenig Zeit zum Spielen! Lora und Finn haben eine Lösung gefunden. Wie wäre es mit Zwischentagen? Mit ihrem steinernern Kreis in Finns Zimmer und einem Zauberspruch hüpfen sie in den Somstag. Dort lernen sie das Mädchen Immerfroh und ihren Hund Flocke kennen. Sie genießen ihre abenteuerlichen Tage in diesem Fabelreich.. Doch dann müssen sie ein Rätsel lösen, um jederzeit in diese magische Zwischenwelt zurückreisen zu können. Werden sie es schaffen?
Von Somstag bis Dittwoch und Dreitag – diese Welt ist einfach magisch! Ich bin einfach nur beeindruckt, mit wie viel kindlicher Fantasie und Magie diese Geschichte geschrieben wurde. Man fühlt sich wie in einem Paralleluniversum, einem Mix aus “Charlie und die Schokoladenfabrik” und “Dem Märchen vom Schlaraffenland”. Aauch die Dynamik zwischen dem über-korrekten Finn und der dickköpfigen Lora, die mit ihren Stofftieren immer einen Weg finden, Kompromisse zu schließen, gefällt mir sehr. Dieses Buch ist ein wundervoller Reminder daran, mehr Zeit zum Spielen zu schaffen und zeigt, dass man durch das Spiel die schönsten kreativen Welten schaffen kann.
Magellan, ab 5 Jahren
7. Ein Fall, der es in sich hat ** Ein Fall für Ino: Der Inselschatz – Johannes Herwig
Wer ein Kind zuhause hat, das meint, keine Bücher zu mögen, wird mit diesem Werk eines besseren belehrt.
Worum geht’s? Der Junge Ino gewinntmit seiner alleinerziehenden Mama einen Aufenthalt im Hotel Küstenglück. Das Hotel läuft leider schlecht, denn seit die Gräfin in die einzig vorhandene Konkurrenz übersiedelt ist, fehlt ihnen Geld an jeder Ecke. Der schüchterne Ino freundet sich mit Merle, der Tochter der Besitzerin des Küstenglücks, an und lernt die Insel von allen Ecken kennen. Eines Tages verliert die Gräfin ihre teure Halskette und es startet ein Wettlauf um die Zeit. Wer wird die Kette finden?
Dieser Krimi hat einfach alles, was es braucht: sympathische Held*innen, hinterhältige Bösewichte, überraschende Plot-Twists, viele Geheimnisse, große Spannung und ganz viel Liebe zu Details. Der Autor spürt, was die Leser*innen wollen. Das merkt man zum Beispiel an dem beeindruckenden dramaturgischen Aufbau und den Twists, mit denen auch ich nie gerechnet hätte. Man kann das Buch gar nicht mehr aus der Hand geben, ist voller Neugier und Aufregung dabei und fiebert mit den Held*innen mit. Das perfekte Werk für alle, die Krimis mögen oder ins Lesefieber starten möchten.
Magellan, ab 9 Jahren
8. Ob eure Entscheidung die richtige war? ** Lightfall 2: Die Prophezeiung – Tim Probert
Der Fantasy-Comic geht in die zweite Runde! Wer noch nicht die Gelegenheit hatte, den ersten Teil in den Händen zu halten: Absolute Empfehlung. Es erwartet euch eine der besten Trilogien der Jugendliteratur. Mein Review zum Teil 1 findet ihr hier.
Worum geht’s? Das Mädchen Bea und der Galdurier Cad erwachen nach einem Kampf an einem unbekannten Ort. Sie wissen nicht, was sie tun sollen und suchen deshalb weiter nach Beas Opa, den Zaubereber. Es stellt sich heraus, dass sie sich im Reich der Arsai befinden und eines der grünen (namenslosen) Wesen bietet ihnen seine Hilfe an. Denn die große Bedrohung, der Gefiederte Kest, ist zurückgekehrt und droht dem Planeten Irpa sein Licht zu nehmen. Bea und Cad können das nicht zulassen und begeben sich auf eine spannende und gefährliche Quest, die sie am Ur- und Wassergeist Lorgon vorbeiführt. Das Schicksal Irpas ist besiegelt, aber können sie ihren Planeten dennoch retten?
Dieser Comic hat die volle Ladung Nervenkitzel und begeistert auf allen Ebenen. Die Bilder sind in ihren Farben und Darstellungen ausdrucksstark, absolut einzigartig und transportieren viel Gefühl und Magie. Man muss insbesondere bei Kämpfen und plötzlichen Geschehnissen genauer hinschauen, denn man kann schnell das eine oder andere Detail missen. Die Welt um den Planet Irpa ist magisch und beeindruckend und bringt einen in diese wundervolle, magische Fantasywelt, in die man sofort einsteigen möchte. Bea ist unglaublich mutig geworden und brilliert mit ihrer Loyalität und Freundschaft dem Galdurier Cad gegenüber. Und auch Cad zieht einen mit seinem eisernen Willen und Furchtlosigkeit in den Bann. Man kann diesen Comic nur in einem Sitz Durchlesen – ich warte jetzt schon auf den (vorerst) letzten Teil der Trilogie.
Planet!, ab 10 Jahren
9. Die beste Klassengemeinschaft ever ** Cleo, Chaos und Konfetti – Lena Hach, Jutta Wetzel
Worum geht’s? Cleo ist ein gewöhnliches Mädchen. Der Unterschied ist nur, dass ihre Gedanken nie stillstehen. Andere nennen es ADHS, für sie ist es normaler Alltag. Als sie bei einem Büchereirätsel ein Achtsamkeitstagebuch gewinnt, ist sie vorerst skeptisch. Aber sie beschließt, dem Ganzen eine Chance zu geben – immerhin war es gratis! Das Tagebuch ist zum richtigen Zeitpunkt in ihr Leben gekommen, denn in ein paar Wochen steht ein großes Faschingsfest in ihrer Schule an. Was soll sie nur tragen? Gewinnt man beim Kostümwettbewerb nur einen alten Radiergummi? Was treibt die 4b? Eines ist sicher: es muss Konfetti geben.
Ein wunderschöner Einblick in das Leben eines neurodiversen Mädchens, das manchmal auf viel Missverständnis bei den Erwachsenen stößt, allerdings durch die beste Klassengemeinschaft der Welt nur gewinnen kann.
Schon lange habe ich kein Buch in Tagebuchformat mehr gelesen (oder selbst ein Tagebuch geführt) und merke, dass ich unbedingt wieder Tagebuch führen sollte. Mit tollen Sidefacts, achtsamkeitsbasierten Reflektionsfragen und schönen Einblicken in ihren Alltag, ihre Gefühls- und Gedankenwelt, bleibt man pausenlos im Lesefluss. Man hat das Gefühl, hautnah am Geschehen teilzuhaben und kann die angespannte Geschwisterdynamik, die bemühten Eltern und die genervte Lehrerin (besonders als erwachsene Person) so gut verstehen und deren Reaktionen mit einem Lächeln nachvollziehen. Der Alltag wird so beeindruckend, echt, altersgerecht und sympathisch beschrieben, dass ich um jeden Preis in dieser Klasse sitzen möchte. Cleos Klassengemeinschaft zeigt, dass jeder trotz seiner Eigenheiten – egal ob ADHS, Vorlieben für Ekeliges oder absolute Schussel – einen wertvollen Platz in der Klasse hat und sie immer zusammenhalten, auch wenn es darauf ankommt. Ein wahres Lesevergnügen, das die spaßige Seite der Schule zeigt und, dass jeder große Bruder echt nerven kann.
Mixtvision, ab 9 Jahren