Eine filmische Auseinandersetzung mit patriarchalen Strukturen, Verlust und Emanzipation: Das ist „Teresas Körper“ von Magdalena Chmielewska.
Ein Amulett wird von zwei jungen Mädchen unter einem Sauerkirschbaum vergraben und soll die eigene Mutter vor Schmerzen schützen. Jahre später legt sich Teresa genau unter diesen Baum. Mit dieser symbolischen und wiederkehrenden Szene erzählt Regisseurin Magdalena Chmielewska in ihrem Langfilm-Debüt „Teresas Körper“ die Geschichte ihrer Mutter Teresa, deren Alltag von chronischen Schmerzen geprägt ist.
“Ich wollte mit diesem Film erproben, was Kino sein kann.” – Magdalena Chmielewska, Filmregisseurin
Chmielewska thematisiert dabei patriarchale Gewalt, Verlust und Traumata, die sich über Generationen hinweg in die Körper und Leben von Frauen einschreiben. Gleichzeitig geht es aber auch um Resilienz und Emanzipation, sowie den Versuch, sich von den transgenerationalen Schmerzen zu lösen. Dabei verwischt Chmielewska bewusst die Grenzen zwischen Realität und Fiktion. Gemeinsam mit ihrer Mutter Teresa und ihrer Schwester Ola steht sie selbst vor der Kamera und verdichtet die eigene Familiengeschichte zu einer Autofiktion.
Ich war im März 2026 bei der Diagonale in Graz und habe mir „Teresas Körper“ für euch angesehen. Anschließend konnte ich mit Magdalena Chmielewska selbst über patriarchale Strukturen und transgenerationale Traumata sprechen – und warum sie einen so persönlichen Film nie wieder machen würde.
Ab 11. September 2026 ist „Teresas Körper“ in ausgewählten österreichischen Kinos zu sehen!
Von der Idee zur Systemkritik
Wie bist du auf die Idee für den Film „Teresas Körper“ gekommen?
Magdalena: Ich habe eigentlich an zwei Drehbüchern für andere Spielfilmideen gearbeitet. Dabei habe ich festgestellt, dass mir immer wieder Szenen in den Sinn kamen, die heute in „Teresas Körper“ zu sehen sind. Mir war schnell klar, dass ich die anderen Projekte auf Eis legen muss, weil es einen anderen Film gibt, der gedreht werden muss.
Es ist ein sehr persönlicher Film, in dem ich die Verlustgeschichte meiner Mutter in einem Drehbuch verdichte und das Dokumentarische fiktionalisiere. Deswegen ist „Teresas Körper“ auch ein Hybrid oder eine Autofiktion. Ich habe nie geplant, einen so persönlichen Film über meine Familie zu machen, mit meiner Mutter, meiner Schwester und mir selbst in den Hauptrollen. Ich verorte mich eigentlich im fiktionalen Film. Aber in Teresa, also meiner Mutter, habe ich einfach etwas Filmisches gesehen, das mich als Drehbuchautorin und Regisseurin sehr gereizt und inspiriert hat. Ich habe verstanden, dass ich mit der Zauberkraft des Kinos etwas erzählen kann, wofür ich lange keine Worte hatte.
Knister*Wissen: Ein fiktionaler Film (auch Spielfilm genannt) erzählt eine erfundene, erlebte oder nachempfundene Geschichte mit Schauspielern, einer inszenierten Handlung und einer dramatischen Struktur.
Welche Message möchtest du mit dem Film vermitteln?
Magdalena: Ich wollte mit diesem Film erproben, was Kino sein kann. Wenn ich mich dem Kino mit so einem persönlichen Kontext annähern und gleichzeitig etwas Universelles erzählen kann, dann ist das für mich das, wonach ich gesucht habe. Ich wollte Teresa, die im patriarchalen System immer am Rand gelebt hat, im System meines Filmes zum Hauptmotiv im Bild machen. Ihre Figur hat es verdient, mit all ihrer Resilienz gezeigt zu werden. Ich wollte Teresa und ihre Töchter, diese weibliche Kraft und den weiblichen Körper zeigen. Es geht darum, wie die Verlustgeschichte und die Traumata meiner eigenen Mutter in den Körpern ihrer Töchter weiterleben.
Das bringst du durch diese Ebene sehr gut rüber, in der man immer wieder Nahaufnahmen oder tanzende Körper sieht.
Magdalena: Ja, für mich steht der Tanz einerseits für Lebendigkeit und einen vitalen Körper. Andererseits auch für den Versuch, durch eine fast tranceartige Bewegung etwas abzuschütteln. Etwas aus einem Leben abzuschütteln, das die Töchter nicht ins eigene Leben mitnehmen wollen. Quasi eine Art Ritual, bei dem sie sich durch das Tanzen befreien.

Persönlich, authentisch & ehrlich: Die größte Motivation
In „Teresas Körper“ kann man dich zusammen mit deiner Mutter und deiner Schwester sehen. Wie war es für dich, zusammen mit der eigenen Familie an einem so persönlichen und sensiblen Thema am Set zu arbeiten?
Magdalena: Es war schwierig, weil ich einerseits Drehbuchautorin, Regisseurin und Produzentin war und gleichzeitig auch vor der Kamera gestanden bin. Diese Mehrfachrolle war sehr herausfordernd und hat mich viel Energie gekostet. Vor allem habe ich aber eine große Verantwortung gespürt. Teresa und Ola wollten gar nicht zu viel über den Film wissen. Sie haben immer erst vor jeder Szene von mir erfahren, worum es gehen wird. Falls es Dialoge gab, haben sie diese innerhalb von wenigen Minuten gelernt. Und wenn Teresa meinte, dass sie etwas anders formulieren würde, dann haben wir das angepasst, weil es mir sehr wichtig war, dass im Film wirklich ihre Art zu sprechen wiedergegeben wird.
Ich glaube, uns allen war bewusst, dass wir wenig Zeit haben. Und die Motivation, diesen Film fertig zu machen, war deshalb umso größer. Die Unterstützung, die ich von allen Seiten gespürt habe, war das Allerwichtigste in dieser Zeit.
Worauf bist du besonders stolz bei dem Endprodukt deines Films?
Magdalena: Ich bin sehr stolz auf Teresa und meine Schwester Ola. Ich finde, sie haben das wirklich großartig gemacht. Letztendlich bin ich aber auch sehr stolz auf den Film und darauf, dass dieser Versuch, die Geschichte meiner Mutter mit allem, was ich mir dazu gedacht habe, zu erzählen, funktioniert hat. Der Film hat verschiedene Ebenen und war formal ziemlich herausfordernd, hat in der Montage schlussendlich aber Integrität gefunden. Ich freue mich, dass sich diese Vision, die schon im Drehbuch festgelegt wurde, bewahrt hat. Und dass wir jetzt im Kino einen Film schauen, hinter dem ich stehen kann, den ich aber nie wieder machen würde.
Warum würdest du so einen Film nie wieder machen?
Magdalena Chmielewska: Ich würde nie wieder mit meiner Familie drehen, weil ich nie wieder so schmerzhafte Fragmente ihrer Erfahrungswelten berühren möchte. Das, was wir gemacht haben, war sehr toll. Auch, dass wir durch dieses Persönliche etwas Universelles erzählt haben. Etwas, was ich sehr gerne in andere Projekte mitnehmen würde, ist das gegenseitige Vertrauen am Set.
Bereits beim Filmfestival Max Ophüls Preis wurde Chmielewska für „Teresas Körper“ mit dem Preis für die beste Regie ausgezeichnet. Bei der Diagonale im März 2026 folgten zwei weitere Auszeichnungen: der Thomas Pluch Spezialpreis der Jury für Chmielewskas Drehbuch und der Diagonale-Preis für die beste künstlerische Montage Spielfilm für Editorin Anna Garncarczyk.