…wo Kultur noch für alle ist

Blogheader Michael Steiger (c) Philipp Allmaier

Das Burgenland, wie es wirklich ist ** Michael Steiger

Veröffentlicht 05. Sep., 2026

Zum Kulturmagazin

Der junge Burgenländer Michael Steiger wagt sich von Instagram auf die Kabarettbühne und agiert dabei sehr souverän.

Toxische Pommes, Ina Jovanovic, Luksan Wunder – immer mehr Künstler*innen, die mit satirischen Kurzvideos in den Sozialen Medien erfolgreich sind, gehen den nächsten Schritt und trauen sich, ein abendfüllendes Programm auf die Bühne zu bringen. So auch Michael Steiger, der dabei eigentlich zurück zu seinen Wurzeln geht. Denn der 1999 geborene Burgenländer hat vor ein paar Jahren in Wien eine Schauspielschule besucht, ehe er zum AMS-Betreuer gegangen ist. Er hat aber auch schon in einem Pflegeheim und auf einem Kreuzfahrtschiff gearbeitet. Zumindest erzählt er das in seinem Programm. 

Warum dieses Solodebüt ausgerechnet den Titel „Grammelpogatscherl-Eskalation“ verpasst bekommen hat? Irgendeine Bezeichnung braucht halt jedes Event. Nicht nur ein Kabarettprogramm, sondern auch eine Abschiedsfeier für eine Schneiderin, die zugleich einen runden Geburtstag feiert. Allerdings in Wahrheit ohne Grammelpogatscherl. Und ohne das Geburtstagskind. Das gibt Michael Steiger Gelegenheit, sich ausführlich über die Abwesende auszulassen.

Anverwandte, Alkohol und Austropop 

Und sehr bald ist klar, warum der etwas sperrige Titel so gut passt. Weil die Grammelpogatscherl zum Burgenland genauso dazugehören wie die Störche und der Uhudler (das ungesunde Verhältnis der pannonischen Bevölkerung zum Alkohol streift er immer wieder). Das Burgenland ist der Dreh- und Angelpunkt für den jungen Künstler, der die österreichische Seele ebenso seziert, wie es der Musiker Rian in seinem Lied „Verwandtschaftstreffen“ getan hat. Apropos Musik: Michael Steiger bedient sich zwischendurch immer wieder ungeniert am Austropop, wenn es zu seinem roten Faden passt, an der Gitarre und gesanglich begleitet von Kevin Schindler. Nicht nur in diesen Momenten zeigt er, was er in der Schauspielschule gelernt hat.

Auch dort hat er genügend Stoff gefunden, um einen Teil des Abends damit zu füllen. Nachdem er sich erst einmal liebevoll über die burgenländische Verwandtschaft und Nachbarschaft lustig gemacht hat. Und er schildert Abenteuer, die man nur am Land erleben kann. Oder auf einem Kreuzfahrtschiff, wo insbesondere die deutschen Gäste ihr Fett abbekommen, ob am Buffet oder beim Notfallalarm. Aber um fair zu bleiben: Österreicher*innen in der Therme sind auch nicht viel besser.

Michael Steiger (c) Julia Sobieszek

Er hat es faustdick hinter den Ohren

Michael Steiger folgt dabei einem Konzept, das sich schon bei Kollegen wie Christoph Fritz oder Flo & Wisch bewährt hat: Nach außen hin der brave, nette Babyface-Traumschwiegersohn im biederen, karierten Pullunder, hat er es faustdick hinter den Ohren. Sein Humor ist durchaus boshaft, aber nicht bösartig oder gar gehässig. Dass er dabei dem burgenländischen Idiom treu bleibt, hebt ihn wohltuend von den vielen bundesdeutsch gefärbten Jugendsprache-Influencer*innen ab und beweist, dass man junges Publikum auch im Dialekt begeistern kann. 

So war sein Heimspiel in Rust am 24. September 2026 bei „Kabarett am See“ mit knapp 1.000 Sitzplätzen binnen drei Stunden restlos ausverkauft, sehr zur Freude der Intendanten Flo & Wisch. Die beiden haben ihn dort neben Szenegrößen wie Gery Seidl oder Gernot Kulis gebucht und berichten, dass zahlreiche Kabarettfans einen Auftritt des jungen Satirikers gefordert haben. Es ist zu erwarten, dass er dort seinen burgenländischen Zungenschlag noch ein bisschen verstärken wird im Vergleich zur Premiere im Wiener Casanova.

Dort hat er einen soliden Erstling vorgelegt und bewiesen, dass er nicht nur die Kunst der Zwei-Minuten-Videos beherrscht, sondern auch jene der zweistündigen Bühnenabende.

Alle Termine gibt’s hier!

Zum Kulturmagazin