Hauptpreis für Severin Groebner, Programmpreis für David Scheid, Förderpreis für Chrissi Buchmasser, Sonderpreis für Robert Steiner und Rolf Rüdiger (Puppenspieler: Stefan Gaugusch). Bis zur Gala am 13. Oktober werden noch TV- und Online-Preis vergeben.
Die Gewinner*innen in vier von sechs Kategorien beim Österreichischen Kabarettpreis 2026 stehen fest – und dieses Jahr wird es tierisch. Ausgezeichnet wird nämlich unter anderem die Radioratte Rolf Rüdiger, die gemeinsam mit Entertainer Robert Steiner den Sonderpreis für Verdienste um den Humor im deutschsprachigen Raum erhält. Der graue Nager ist übrigens fünf Jahre älter als die Auszeichnung, die er erhält. Denn Rolf Rüdiger, erfunden und seither zum Leben erweckt vom renommierten Puppenspieler Stefan Gaugusch (dem eigentlichen Preisträger also), hatte seinen ersten Auftritt im ORF im Jahr 1994, als das Kinderprogramm „Confetti Tivi“ seine Premiere hatte.
Wie man die Demokratie kaputt macht
Der Österreichische Kabarettpreis wird seit 1999 vergeben, und zwar mittlerweile in sechs Kategorien. Der Hauptpreis geht heuer an Severin Groebner. Der gebürtige Wiener, der seit mehreren Jahrzehnten in Deutschland lebt und arbeitet, hat die Jury mit seinem aktuellen Programm „Ich bin das Volk!“ überzeugt. In diesem zeigt er in Form eines verlesenen Manifests, wie man eine Demokratie kaputt machen kann.
Dem Kabarettisten, der zugleich in die Rolle eines alternden weißen Mannes schlüpft, der eigentlich nicht mehr weiß, was er sich jetzt noch vom Leben erwarten soll, attestiert die Jury:
„Groebner ist in den vergangenen Jahren zur Meisterschaft aufgelaufen, komplexe zeitgeschichtliche und gesellschaftliche Ärgernisse ebenso böse wie witzig auf den Punkt zu bringen.“
Kabarettist, Mockumentary-Darsteller, DJ
Ebenfalls sehr politisch ist das Werk von David Scheid, der mit dem Programmpreis ausgezeichnet wird. „Das Programm scheint leichte Kost zu sein, aber er zerschneidet und hackt, bis es in den Augen brennt“, stellt die Jury fest. Und das gilt nicht nur für „The Kabarettist“, das diese Saison Premiere hatte, sondern für Scheids Schaffen insgesamt. Schon mit der Mockumentary „Dave“, in der er einen wohlstandsverwahrlosten Möchtegern-Influencer spielte, sorgte er für einiges Aufsehen. Er hat aber auch schon seine DJ-Qualitäten bewiesen.
Das Kind überholte das Programm
Während Scheid derzeit sein mittlerweile fünftes Kabarettprogramm spielt und Groebner überhaupt auf gut 30 Jahre Bühnenerfahrung blickt, hat Chrissi Buchmasser vorigen Oktober ihr zweites Solo auf die Bühne gebracht. „Zugzwang“ heißt das Programm, für das sie mit dem Förderpreis ausgezeichnet wird. Weil „diese Frau nicht nur etwas zu sagen“ habe, so die Jury, „sie weiß auch, wie. Mit in den Knochen sitzender Lustigkeit und einem Schalk, der eindeutig nicht nur im Nacken steckt, schafft es Buchmasser spielerisch, das Publikum in den Bann zu ziehen.“
Was sie noch von den beiden unterscheidet: Sie kommt nicht aus Wien, sondern aus der Steiermark, wo sie im Oktober 2021 den Grazer Kleinkunstvogel gewonnen hat. Angemeldet dazu hatte sie sich bereits ein Jahr zuvor, doch wegen der Covid-Pandemie musste der Bewerb mehrmals verschoben werden. Und so kam es, dass Buchmasser noch gar nicht schwanger war, als sie mit der Vorbereitung auf ihren Auftritt begann. Und kurz bevor es dann endlich so weit war, brachte sie ihr erstes Kind zur Welt. Dementsprechend passte sie dann den Inhalt ihres Bühnendebüts „Braves Kind“ an, dem nun eben der zweite Streich gefolgt ist.
Sechs Tage pro Woche – und die Ratte ist dabei
Aus einem ganz anderen Bundesland, nämlich aus Oberösterreich, kommen Robert Steiner und Stefan Gaugusch, der Puppenspieler hinter Rolf Rüdiger. Und hier haben sich eindeutig zwei gefunden: „In bester Nestroy’scher Tradition nehmen die beiden Großkopferte gehörig goschert auf die Schaufel und Minderprivilegierte (Kinder) ernst und in Schutz: empathisch und solidarisch. So geht Satire“, stellt die Jury fest.
Die Ratte Rolf Rüdiger darf dabei Dinge sagen, die sich der Mensch Gaugusch nie erlauben würde. Und das an sechs Tagen in der Woche, denn das Duo ist montags bis freitags ab 14 Uhr und sonntags ab 8 Uhr mit „Wissen oder was“ im Einsatz auf Radio Wien. Dabei beweisen sie Tag für Tag aufs Neue, warum Rolf Rüdiger das Ende von „Confetti Tivi“ zurecht überlebt hat.
Jetzt mitentscheiden: Die Publikumspreise
Neben den vier dotierten Jurypreisen werden heuer auch wieder zwei Publikumspreise vergeben. Von 3. bis 31. August gibt es ein öffentliches Voting auf www.kabarettpreis.at zum Fernsehpreis für das beliebteste satirische TV- oder Streaming-Format im deutschsprachigen Raum und zum Online-Preis für den oder die beliebteste Content-Creator*in. Für beide Formate kann bis 27. Juli eingereicht werden. Alle sechs Preise werden am 13. Oktober im Globe Wien übergeben, eine Aufzeichnung der Gala wird später auch im ORF ausgestrahlt.
Weil das alles Geld kostet, hat Julia Sobieszek, die Obfrau des Vereins Österreichischer Kabarettpreis, neben den Österreichischen Lotterien, der Stadt Wien und der WKO FAMA mit oeticket einen neuen Sponsor an Land gezogen. Der heuer vielleicht wichtigste Sponsor könnte allerdings die Versicherung HDI sein, zumindest mit Blick auf Hauptpreisträger Severin Groebner. Der wurde nämlich 2001 mit dem Förderpreis ausgezeichnet – und die Trophäe ist nachher kaputt gegangen. Den heurigen Hauptpreis wird er aber sicher umso intensiver hüten.