Bei Public Moves tanzen wir gemeinsam. Nicht zuhause, irgendwo indoor – sondern draußen: im öffentlichen Raum. Publikumsliebling Salim Gauwloos und Intendant Karl Regensburger geben einen Einblick, wie die kostenlosen Tanzkurse ablaufen und warum es sie braucht.
Aktuell findet das ImPulsTanz-Festival statt, bei dem sich alles um das Tanzen dreht. Es gibt Workshops, aber auch ganz viele Performances, die ihr euch anschauen könnt. Und außerdem das absolute Highlight: Die Public Moves.
Kostenlos Tanzen in ganz Wien?
Vielleicht habt ihr ihn in Wien schon entdeckt: den knallgelben Tanzboden. Bis zum 8. August wird dort täglich getanzt – vor dem Museumsquartier, auf der Papstwiese beim Donauturm, am Richard-Wagner-Platz und am Schwarzenbergplatz. Das alles ist komplett kostenlos. Tanz im öffentlichen Raum, der für alle Menschen zugänglich ist, das ist Public Moves von ImPulsTanz.
Wir haben mit ImPulsTanz Intendant Karl Regensburger gesprochen. Er freut sich, dass das Angebot so gut ankommt: „Wir kommen selbst mit 150 Plätzen am Schwarzenbergplatz nicht aus. Aber die Nachfrage ist gewaltig. Die Leute sind happy. Wir natürlich dann auch.“

Tanzen wie Madonna vor dem MQ
Der Ansturm vor Beginn der 1. Class ist groß. Schon 20 Minuten bevor die Eröffnungsklasse am 10. Juli mit Salim Gauwloos beim Museumsquartier losgeht, bildet sich eine Schlange vor dem Eingang. Salim, auch genannt „Slam“, ist ein echter Publikumsliebling. Er hat schon für viele Stars, wie zum Beispiel Madonna und George Michael, getanzt. Bei ImPulsTanz unterrichtet er Workshops zu Contemporary/Jazz.
Knister*Wissen: Contemporary (zeitgenössischer Tanz) ist eine freie Tanzform. Darin kommen Elemente aus Ballett, Modern Tanz und Jazz vor. Der Fokus liegt auf fließenden Bewegungen und Floorwork, also vielen Bewegungen am Boden.
Salim kommt schon seit vielen Jahren jeden Sommer nach Wien. Für ihn sind die Public Moves etwas ganz Besonderes, erzählt er uns bei der Eröffnung. Denn dadurch könnten auch jene Menschen tanzen, die sonst nicht diese Möglichkeit hätten, beispielsweise aufgrund der hohen Kosten. Salim beschreibt die Public Moves als Safe Space. Sein Kurs zur Eröffnung der Tanzfläche am Museumsquartier war innerhalb kürzester Zeit voll ausgebucht.
Kurz vor Beginn werden die Teilnehmenden auf die Tanzfläche gelassen. Schnell werfen sie ihre Taschen an den Rand der Tanzfläche und suchen sich sofort einen guten Platz. Jeder will, so gut es geht, vorne sein bei der Klasse mit Salim. Einige warten noch am Eingang zur Tanzfläche. Sie hoffen noch auf einen Restplatz. Da wird unter den Wartenden dann kurz auch noch diskutiert, wer zuerst da war und wer nun das Recht auf einen Restplatz hat. Zugänglichkeit hat leider doch ihre Grenzen.
Vielfalt durch Tanz
Auf der Tanzfläche kommen ganz viele unterschiedliche Menschen zusammen. Public Moves Routiniers. Personen, die jedes Jahr dabei sind und die verschiedensten Public Moves Einheiten bereits ausprobiert haben. Oder auch komplette Neulinge. Oder Menschen, die einfach zufällig vorbeigekommen sind, die einen Spaziergang machen und dann neugierig sind, wenn sich über fünfzig Menschen auf dem gelben Boden zur Musik bewegen. Manche Spaziergänger*innen bleiben da, machen sogar mit. Sie suchen sich einen Platz hinter der Tanzfläche. Und tanzen mit. Denn auch hinter der vorgesehenen Tanzfläche bewegen sich die Menschen, trotzen der platzbedingten Unzugänglichkeit und zeigen: Tanz ist für alle da! Und die Altersrange ist riesig. Von Kleinkindern, die mit den Eltern mithopsen bis hin zu Erwachsenen jeden Alters versammeln sich viele Leute auf der Tanzfläche. Auch für Intendant Karl Regensburger ist es schön, wie viele Menschen da zusammenkommen:
„Ich glaube, es ist ein schönes Zeichen zur heutigen gesellschaftlichen Situation, die sich immer mehr dem Rückzug widmet und hier hat man wirklich auf analoge Weise plötzlich das Gefühl, dass man doch gemeinsam ist.“
Täglich gibt es acht gratis Public Moves Einheiten in Wien. Und schon vor Festivalbeginn hat es Public Moves Angebote in anderen Bundesländern gegeben, zum Beispiel in Klagenfurt, Salzburg und Wien. Wir haben Intendanten Karl Regensburger gefragt, wieso so viele kostenlose Einheiten angeboten werden. Mit einem Lachen im Gesicht meint er: „Das tut mir im Herzen weh, diese finanziellen Verluste.“ Da hat sich der Intendant einen kleinen Scherz mit uns erlaubt. Er erklärt gleich weiter: „Weil wir es einfach gerne machen und weil wir sehen, dass es den Leuten Freude macht. Und es ist auch so wie eine Schnupperstunde im Grunde. Die Teilnehmenden kommen dann auch ins Arsenal und buchen einen Workshop über fünf oder sieben Tage, wo sie den Tanz dann intensiver genießen dürfen.“

Bis zum 8. August gratis mittanzen
Ihr könnt auch mittanzen bei Public Moves – komplett kostenlos. Egal ob ihr Tanzprofis seid oder Neulinge. Ihr braucht keine Vorkenntnisse. Probiert es aus! Public Moves findet täglich zwischen 17 und 20 Uhr statt. Den Kalender mit den Classes findet ihr online. Euren Platz könnt ihr jeweils am Tag davor ab 14 Uhr über publicmoves.at reservieren. Und wenn ihr keinen Platz mehr in eurer Favorite Class bekommen habt, kommt trotzdem vorbei! Oft gibt es noch Restplätze. Und hinter der gelben Fläche tanzt es sich genauso frei!