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8 Kinderbücher zu psychischer Gesundheit #1

Veröffentlicht 10. Okt., 2026

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Am 10. Oktober feiern wir jährlich den Mental Health Day. Es braucht diesen Tag dringend, um für psychische Beeinträchtigungen und Neurodivergenz Awareness zu schaffen. Diese 8 Kinderbücher beleuchten das Thema altersadäquat.

In den letzten Jahren sind immer mehr Kinderbücher zu dem Thema erschienen. Dieses Listicle ist etwas breiter gefächert und behandelt Themen wie Psychoedukation, neurologische Erkrankungen, Umgang mit Beeinträchtigungen, wie auch die Erfahrung mit unguten Gefühlen und der Notwendigkeit, Hilfe in Anspruch zu nehmen. 

1. Blöde Menz, Doofe Menz! ** Opa Bär und die Schuhe im Kühlschrank – Anne und Paul Maar

Worum geht´s? Wo gehören die Schuhe nochmal hin? Ach, Haserbrei (hä?) wäre lecker! Und was machen die Schüsseln im Klo? Der kleine Bär ist sichtlich überfordert mit Opas Veränderung. Er möchte ihm wertschätzend und liebevoll begegnen und schafft es auf seine wundervoll kindliche Art, ihn da abzuholen, wo sie beide es brauchen. Eine berührende Geschichte über den an Demenz erkrankten Opa-Bär und seinen Enkel, die gemeinsam die Hürde der doofen “Menz” kennenlernen. 

Es ist ein wunderbares Beispiel dafür, wie man Erkrankungen altersgerecht und informativ mit Kindern erarbeiten kann, ohne Angst davor zu schüren. Das Autor*innen-Gespann (Vater und Tochter) schafft es, dieses Thema mit einer entsprechenden Offenheit, Empathie und Feingefühl aufzugreifen und alltagsgetreu in einem Bilderbuch umzusetzen. So bekommen Kinder (wie auch Erwachsene) einen Einblick, wie sich diese neurologische Erkrankung zeigen kann und wie mit gewissen Situationen ein anderer Umgang gefunden werden kann. Demenz ist für viele Menschen mit einem großen Fragezeichen verbunden, wodurch es umso wichtiger ist hier die Psychoedukation voranzutreiben – denn es wird viele von uns im Alter mal betreffen.

Wenn ihr mehr über Demenz erfahren wollt, könnt ihr euch hier informieren:

2. Therapeutenwolf und Betreuerschafe ** Die Gefühlsklinik – Simon Büngener, Ann-Kathrin Nikolov 

Worum geht´s? Wie erklärt man Kindern, was sie auf einer Psychiatrie erwartet? Gibt es dafür die richtigen Worte? Die Antwort ist kurz und knackig: JA! Mit diesem Buch könnt ihr kindgerecht vermitteln, womit die jungen Patient*innen bei einem psychiatrischen Aufenthalt rechnen können und wann es notwendig ist, diesen in Anspruch zu nehmen. Das Thema ist liebevoll ausgearbeitet, gibt lebensnahe Eindrücke und zeigt den Kindern anhand von betroffenen Tieren, wie die Zeit vor Ort aussehen und wie ihnen geholfen werden kann. Sie entdecken, wie Ziele erarbeitet werden können und, dass es auch andere Personen mit ähnlichen Themen gibt. 

Auf so ein Buch habe ich schon lange gewartet! Mit sympathischen Charakteren, tollen Bildern und kindgerechten Text wird den jungen Leser*innen die psychiatrische Institution und deren Unterstützungsmöglichkeiten vorgestellt. Die wertfreie und wertschätzende Sprache hilft zudem, die Angst vor solchen Einrichtungen zu reduzieren und ihnen so auch Raum für Diskussion und Austausch mit Erwachsenen zu geben. Mit einer Vorstellung der betroffenen Tiere wird ein Einblick in Situationen mit vorhandenem Leidensdruck gegeben und gezeigt, ab wann eine professionelle Hilfe tatsächlich nötig ist. Auch die Helfer*innen – hier der Therapeutenwolf und die Betreuerschafe – schaffen ein ruhiges und bemühtes Umfeld, das sich positiv auf die Leseerfahrung auswirkt. Wirklich großartig!

Marta Press, ab 6 Jahren

3. Frühkindlichen Autismus nahbar machen ** Was sieht Paul? – Anna Irmgard Jäger, Florian Bosum 

Worum geht´s? Paul hat frühkindlichen Autismus. Er tickt anders als andere Kinder, macht Dinge anders als sie oder nimmt vieles auch einfach anders wahr. Aber was genau bedeutet denn “anders”? Für den Buben sind einige Dinge anstrengender, wie beispielsweise, dass Licht oft zu hell für ihn sein kann und dann nur noch eine Decke vor den Augen hilft. Paul ist dennoch ein Kind wie jedes andere. Er macht Dinge zwar unterschiedlich, aber das ist doch total gewöhnlich, oder?

Einfühlsam, wertschätzend und auf Augenhöhe wird Kindern geschildert, wie frühkindlicher Autismus aussehen kann. Mit respektvoller Sprache wird das Thema mit viel Neugierde verknüpft, die Kinder dazu einlädt, einmal genauer in diese Welt zu blicken. Dank Reflexionsfragen (“Aus welchem Grund hast du das letzte Mal so richtig doll gelacht?”) und Vorschlägen (“Flatter mal mit…”) wird verständlich gemacht, dass bestimmte Verhaltensweisen zwar kurios wirken, aber im Endeffekt ganz gewöhnlich sind. Eine tolle Geschichte, um altersadäquat über die neurologische Entwicklungsstörung aufzuklären. 

Marta Press, ab 5 Jahren 

4. Wie man zwischen guten und schlechten Geheimnissen unterscheidet ** Soll ich es sagen? Eine Geschichte über Geheimnisse – Clemens Fobian, Mirjam Zels

Worum geht´s? Ramin ist sich unsicher. Wann soll er ein Geheimnis denn teilen und wann soll er es für sich behalten? Ein Geburtstagsgeschenk darf man doch nicht ausplaudern, aber was, wenn ein Fenster zu Bruch geht? Dank seinem Onkel weiß Ramin, dass er immer zu seiner Mutter gehen kann und lernt, wie man gute von schlechten Geheimnissen unterscheiden kann. Denn einer Person, der ich vertraue, darf ich alles erzählen. 

Wichtiges Thema, wichtige Botschaft. Wenn sich Geheimnisse nicht gut anfühlen, ist es notwendig, sich jemandem anzuvertrauen. Dieses Buch schafft es in wenigen Situationen, die Message verständlich zu vermitteln und Kindern zu helfen, auf ihr Bauchgefühl zu hören. Eine Angelegenheit, die uns alle betrifft, denn schlechte Geheimnisse können Gefahr auf jeglicher Ebene sein und die Kinder daher stark belasten. Sucht das Gespräch mit den Kleinen und arbeitet mit diesem Buch, denn hier wird es angstfrei und klar thematisiert.

Marta Press, ab 4 Jahren    

5. Ein Schleuderprogramm namens Borderline ** Mama, Mia und das Schleuderprogramm – Christiane Tilly, Anja Offermann 

Worum geht´s? Wenn in einem viele Gedanken und Gefühle schleudern, ist Chaos und Leere zugleich vorhanden. Mama telefoniert seit einer Stunde und plötzlich schmeißt sie das Handy durch den Raum und will ganz weit weg sein. Am nächsten Morgen wacht Mia schon extra früh auf, doch Mama ist einfach nicht da. Angst und Sorgen kommen auf, wo kann sie nur sein? Eine berührende Geschichte über das Leben mit einem psychisch erkrankten Elternteil mit Borderline und wie belastend es für die Kinder und das Umfeld sein kann.

Mit Mias Geschichte wird sichtbar gemacht, wie sich eine Borderline-Persönlichkeitsstörung im alltäglichen Leben äußern kann. Ohne zu werten oder zu belehren, wird mit der Metapher des Schleuderprogramms das Gefühl und die Körperempfindungen bei dieser Persönlichkeitsstörung nachvollziehbar geschildert und auch aufgezeigt, wie sehr die betroffene Person, als auch nahestehende Personen, unter diesem Zustand an ihre Grenzen kommen. Ein wirklich gelungenes Buch zur Aufklärung!

Kids in Balance, ab 5 Jahren

6. Ein grüner Daumen fürs Denken ** Sarabellas fabelhafter Hut – Judy Schachner, Antje Riley 

Worum geht´s? Sarabella muss ständig über etwas nachdenken. Ob groß, oder klein, Ameise oder Pflanzen, einige Gedanken kommen ihr spontan, andere wurden in ihren Gedankengarten bereits gehegt und gepflegt. Leider weiß niemand, worüber Sarabella eigentlich nachdenkt, was ihr in der Schule nicht zugutekommt. Ihre Eltern fangen Sarabella auf und bestärken sie in ihrer Besonderheit. Als die Kinder ein Wochenendprojekt zu ihren Tagträumen gestalten dürfen, begeistert Sarabella mit ganz viel Kreativität und fantasievoller Selbstoffenbarung.

Eine sagenhafte Geschichte über die Gedankenwelt von Kindern mit AD(H)S. “Du musst nur wagen, deine Gedanken zu tragen” ist eine wunderschöne Message, den eigenen Tagträumen einen Platz zu bieten, am besten in kreativer Form. Es ist eine fabelhafte Geschichte, die zeigt, dass ADHS bei Mädchen anders als bei Burschen aussieht und es viel mehr von diesen Geschichten braucht, um eine Normalität und Akzeptanz für Neurodivergenz zu schaffen. Besonders die Sichtweise und auch die Symptome bei Frauen und Mädchen kommen in der Literatur immer zu kurz, wodurch dieses Buch ein wichtiger Beitrag für unsere Gesellschaft und die Psychoedukation ist. 

Kids in Balance / Psychiatrie Verlag, ab 5 Jahren.

7. Ein notwendiger Perspektivenwechsel ** Rosas Sprache – Anja Freudiger, Johanna Mücke 

Worum geht´s? Anni liebt ihre Schwester Rosa über alles. Sie verhält sich aber ganz anders als andere Kinder. Sie liebt die Karnevalszeit und ist überzeugt, dass Rosa es auch sein wird. Leider missglückt ihre Überraschungen und ihr ist das Verhalten ihrer kleinen Schwester vor den Nachbarskinder furchtbar peinlich. Warum kann ihre Schwester nicht so sein wie andere Kinder? Anni merkt, dass sie Rosa anders begegnen muss – und lernt ihre Sprache. 

Ein Buch über Entwicklungsstörungen und Geschwisterbeziehungen. Feinfühlig und wohlwollend wird beschrieben, wie diese die Geschwisterdynamik beeinflussen können. Die Autorin betont, dass es ihr wichtig ist, hier absichtlich von einer konkreten Diagnose abzusehen, da es egal ist, wie stark ein Kind von der Norm abweicht. Sie müssen gesehen werden und es geht darum, einen Perspektivenwechsel einzunehmen, insbesondere von unserer Gesellschaft. Weg von Stigmatisierung, hin zur individuellen Betrachtung und Anerkennung. Eine einfühlsame Geschichte, die zum Umdenken einlädt und hervorbringt, wie ein Miteinander auf Augenhöhe trotz Normabweichung funktionieren kann.

Kids in Balance / Psychiatrie Verlag, ab 5 Jahren

8. Ein Einblick in die große Materie der Psyche ** Wenn Gefühle aus der Reihe tanzen – Lena Steffinger 

Worum geht´s? Alle Gefühle dürfen da sein – das lernen alle Kinder der neuen Generationen. Aber wann ist es zu viel? Ab wann sollte man genauer hinschauen oder Hilfe holen? Es kann sich richtig gut anfühlen, eine Diagnose zu erhalten. Besonders dann, wenn man schon über einige Zeit hinweg sehr belastet ist und nun endlich eine Erklärung dafür erhält. Es werden Erklärungsmodelle vorgestellt, Ressourcenarbeit hervorgehoben und viele Begriffe erklärt. Zu guter Letzt findet sich ein Einblick in eine Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie mit deren Angeboten, Struktur, Arbeitsweisen (wie der Option für tiergestützte Therapie) und Beispiele für den Umgang mit psychisch Kranken historisch, wie auch aktuell. Hier habt ihr ein perfektes Kindersachbuch in Hinblick auf psychische Erkrankungen. 

Die Autorin schafft es mit klaren, wertschätzenden Worten einen sehr guten Überblick über eine weit umfassende Thematik zu geben. Professionell und mit dem Händchen für großartige Wissensvermittlung wird niederschwellig und spannend auf wichtige Begriffe und Erklärungen hingewiesen, um das Allgemeinwissen der Kinder zu fördern. Das Wissen über psychische Erkrankungen und das Drumherum ist so wichtig für uns und unsere Kleinen, denn wir alle kennen jemanden oder werden jemanden antreffen, der oder die psychisch zu kämpfen haben wird. Es ist eine tolle Einführung in diese sensible Themenwelt und sollte von ganz vielen gelesen werden!

Beltz Verlagsgruppe, ab 9 Jahren

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