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Bye bye, ich mach’s mir mal schön ** Laura Clark ist dann mal weg – Helen Russell

Veröffentlicht 15. Okt., 2026

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Eine skurrile und lustige Erzählung, die zum Nachdenken bewegt und einen fragen lässt, warum hier nicht mal die nahestehenden Personen bei einem mysteriösen Verschwinden in die Gänge kommen.

Was tun, wenn die einzig fähige Person auf einmal verschwindet? Laura ist weg und plötzlich entsteht überall Panik und Chaos. In der Arbeit herrscht Stillstand, Zuhause bricht Verzweiflung aus und auch ihre beste Freundin Ruth steht kurz vor einem Nervenzusammenbruch. 

Wie sollen wir das nur schaffen?

Laura Clark ist einfach weg. Niemand weiß, wo sie ist, es gibt keine Anzeichen, keine (für die anderen augenscheinlichen) Motive, keine Hinweise. Aber wie soll das Leben denn jetzt weitergehen? Ihr Mann Mark ist nun plötzlich mit ihrer Teenie-Tochter Sian allein, beide haben keine Ahnung, wie man Wäsche wäscht oder sich etwas zum Essen macht, und Sians Entscheidung für ein College steht auch noch diese Woche an. 

Lauras Mutter fehlt die Ansprechpartnerin für ihre nörglerischen Gespräche und sie merkt, dass ihr Schwiegersohn, abgesehen vom vielen Geld, eine echte Niete ist. Ihre Freundin Ruth ist als alleinerziehende Late-Mum mit ihren Zwillingen komplett überfordert und kann weder das Haus verlassen noch ihre Arbeit qualitativ fortsetzen. In Lauras Arbeit sind alle Mitarbeiter*innen nur mehr überfordert, da offenbar Laura die einzige war, die tatsächlich gearbeitet hat. Ihr Arbeitskollege Ian ist sehr rechtskonform unterwegs und leitet als Einziger (!) in die Wege, dass auch polizeilich nach der vermissten Laura gesucht wird. 

Humorvolle Panik mit großem Fragezeichen

Die Autorin versteht es, die Leser*innen und die Charaktere an der Nase herumzuführen. Zwischendrin gibt es einzelne Hinweise, warum Laura verschwunden sein könnte, doch diese Puzzleteile fügen sich für mich ehrlich gesagt erst am Ende der Geschichte. Davor muss man sich mit der Verzweiflung der anderen Figuren begnügen. Die Verzweiflung ihrer Familie und Kolleg*innen könnte unterschiedlicher nicht sein und schafft daher eine großartige Komik, die teils schon cringe wird. 

Erstaunlicherweise schaffen sie es, sich über die Zeit (wir sprechen von einer Woche, obwohl es sich beim Lesen viiiiiel länger anfühlt) zu verändern und sogar Fortschritte zu machen. Die Gefühle und Gedanken der Charaktere sind bestens dargestellt und geben einem den Eindruck, alle Beteiligten bereits selbst zu kennen – so, dass man ihnen auch gerne mal Mut zusprechen möchte.

Zwischen Klischee und Komik: Mein Urteil

Dieser Roman strotzt vor Stereotypen, humorvollen und skurrilen Verzweiflungen und einem ständigen “Nicht-wirklich-Weiterkommen”. Die Hauptcharaktere werden sprachlich wunderbar abgebildet, sodass man ein authentisches Bild von ihnen bekommt. Es ist etwas klischeebehaftet mit dem Ehemann, der sich bei jeglicher Normalo-Aufgabe auf seine Frau verlässt und sie betrügt, der inkompetenten Teenie-Tochter, die ohne Mama nichts auf die Reihe bekommt, oder auch dem Arbeitsplatz, an dem ohne Laura niemand weiß, was eigentlich den ganzen Tag zu tun ist. 

Das Büro gibt einem zwischendurch ein bisschen „The Office”-Vibes, da man sich einfach nicht vorstellen kann, wie unfähig eine HR-Abteilung sein kann. Laura wird wie eine Heilige dargestellt, deren Aufopferung erst durch ihr Verschwinden gesehen und anerkannt wird.
Glücklicherweise dürfen alle Charaktere eine positive Entwicklung durchmachen, springen über ihren Schatten und lernen, dass sie auch selbstständig mal was machen können (Applaus, Applaus?). Aufgrund dieser Dinge ist Helen Russels Roman eine erheiternde, humorvolle Lektüre, die einen auch hinterfragen lässt, was so manche Leute ohne einen tun würden. 

Was mir etwas gefehlt hat, war die aktive Suche nach Laura. Hie und da werden zwar Anstöße dazu unternommen, aber wirklich „suchen” tut sie niemand. Aber genau das passt auch wieder zu den passiven und antriebslosen Figuren, die sich ja zu hundert Prozent auf Laura verlassen und ohne sie voraussichtlich meier gehen, würde ich mal sagen. Mich hat das gegen Mitte des Buches schon so genervt, dass niemand etwas unternimmt und alle sich so dahintreiben lassen. Meine Geduld wurde auf die Probe gestellt, aber es hat sich ausgezahlt. Genieß deine verdiente Auszeit, Laura-Girl!

Helen Russel. „Laura Clark ist dann mal weg”. € 25,50 / 416 Seiten. Lübbe, Köln 2026 (deutsche Version)

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