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Neue Szenen, alte Qualität ** Alles bleibt anders – Simpl Revue

Veröffentlicht 17. Okt., 2026

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Die Masterminds Jenny Frankl und Michael Niavarani präsentieren einen „Rückschritt in 20 Fortschritten“, die das siebenköpfige Ensemble wunderbar umsetzt.

„Vor hundert Jahr’ war alles wunderbar“, singt das Ensemble in der ersten Szene der neuen Simpl-Revue. Das ist natürlich ein bisschen übertrieben, denn so wunderbar waren die sogenannten Goldenen Zwanzigerjahre damals wahrscheinlich auch nicht. Die Wunden des Ersten Weltkriegs waren noch nicht verheilt, und noch ahnte niemand, dass bald erst ein Bürgerkrieg und dann der Zweite Weltkrieg neue Wunden aufreißen würden. 

Aber ziemlich sicher gab es damals auch schon Revuen im Wiener Kabarett Simpl. Und wenn die auch nur halb so gut waren wie die heutigen unter den Masterminds Jenny Frankl und Michael Niavarani, dann waren sie sicher wunderbar.

Wenn der KI-Schwiegersohn im Wohnzimmer steht, wird es lustig, aber auch entlarvend. © Nadine Studeny
Wenn der KI-Schwiegersohn im Wohnzimmer steht, wird es lustig, aber auch entlarvend. © Nadine Studeny

Schon immer war früher alles besser

Im Jahr 2026 jedenfalls blickt die neue Simpl-Revue unter dem Titel „Alles bleibt anders“ hundert Jahre zurück – und Conférencier Joachim Brandl stellt fest, dass es schon immer geheißen hat, dass früher alles besser war. Er führt gemeinsam mit der künstlerischen Leiterin Jenny Frankl und Oberkomödiant Bernhard Murg ein siebenköpfiges Ensemble (drei Damen und vier Herren) an, das so begeisternd tanzt und singt, dass es schon mit der ersten Nummer Beifallsstürme vom Publikum erntet. Dieses ist – typisch Simpl – nicht mehr ganz jung und vielleicht auch ein bisschen konservativer als etwa in der Kulisse oder im Niedermair.

Hausherr Michael Niavarani weiß sicher um das Durchschnittsalter und die Herkunft seiner Besucher*innen. Und er weiß auch genau, was man ihnen zumuten kann – und zwar die volle Dosis Nia-Humor. Gemeinsam mit seiner Co-Autorin Jenny Frankl zieht er seinen Humor beinhart durch. Und ich wäre gern beim Entstehungsprozess der verschiedenen Szenen dabei gewesen, weil die beiden es vielleicht sogar noch lustiger gehabt haben als das Publikum bei der Premiere. Übertriebene Wokeness und political Correctness werden ebenso durch den Kakao gezogen wie der KI-Hype. Und auch wenn man nicht auf jemanden hintreten soll, der ohnehin schon am Boden liegt: Die Dreierkoalition muss natürlich auch für eine Parodie herhalten.

Große Oper auf der kleinen Bühne im Kabarett Simpl. © Nadine Studeny
Große Oper auf der kleinen Bühne im Kabarett Simpl. © Nadine Studeny

Komik, Satire und opulente Optik

Dabei gibt es einen ersten Vorgeschmack auf den restlichen Abend: Auch diesmal lebt die Simpl Revue nicht nur von Dialogen und Gesangseinlagen voller Komik und Satire, sondern auch von der opulenten Optik, die liebevoll genähte Kostüme und aufwendige Kulissen beinhaltet, durch die das Ensemble wirbelt. Ein Höhepunkt ist dabei eine Opern-Nummer über gesunde Ernährung kurz vor der Pause, die Lust darauf macht, den Besuch zu wiederholen – oder, ganz oldschool, auf eine DVD zu hoffen. 

Ansonsten arbeitet sich die Revue bissig und entlarvend an der Gegenwart ab, die frappierende Parallelen zur Vergangenheit aufweist. Ob Inflation, Rundfunkgebühr, Migration oder schlicht das Verhältnis zwischen Männern und Frauen: Die Szenen sind neu (bis auf die anschaulich erklärte Klimakrise und Umweltverschmutzung), die Inhalte aber eigentlich gar nicht. Und auch die Qualität ist die altbewährte. Die Fußstapfen von Karl Farkas oder Fritz Grünbaum füllen Nia und Jenny Frankl sehr gut aus. Mit dem Unterschied, dass sie sich ein bisschen mehr trauen – wie zum Beispiel ein Dickpic-Sketch zeigt, den es vor hundert Jahren sicher nicht hätte geben können. 

Alle Termine gibt es hier.

Auch „Die Schöne und das Biest“ wird parodiert. © Nadine Studeny
Auch „Die Schöne und das Biest“ wird parodiert. © Nadine Studeny
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