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Wer kann sich Tanzen leisten? ** Interview beat1060

Veröffentlicht 15. Sep., 2026

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Eine Tanzklasse ausprobieren, ein ganzes Semester oder einfach mal einen Tanzworkshop ausprobieren? So einfach ist das für viele nicht. 

Tanzklasse und Workshops findet ihr ganz viele in Wien. Also ist es doch eigentlich kein Problem, wenn man Tanzen ausprobieren will. In der Praxis ist es leider nicht so einfach, wie es klingt. Es gibt Menschen, die sich solche Freizeit- und Kulturangebote einfach nicht leisten können. Das Tanzstudio beat1060 möchte genau da Menschen unterstützen. 

Hier wird getanzt!

Das Klingelschild in der Millergasse verrät es schon: Hinter dieser Tür ist das beat1060. Der Weg führt durch den Innenhof, in das Gebäude hinein. Durch einen Vorhang betritt man das Tanzstudio.

Alle, die hier reinkommen, werden am Empfang freundlich begrüßt. Manche sind zum ersten Mal hier: Kurze Einführung, wo ist der große Saal, wo der kleine Saal, wo die Garderoben… Die anderen, quasi die Stammtänzer*innen, begrüßen sich mit Umarmungen. Viele kommen hier immer wieder hin, ins beat1060 – einem Tanzstudio für Erwachsene, wo die Zielgruppe primär 20- bis 65- Jährige (und älter) sind. 

Für manche ist das beat1060 ein ganz besonderer Ort. Ein Ort an dem sie mittanzen können. Was in anderen Tanzstudios vielleicht gar nicht möglich wäre, weil sie es sich dort nicht leisten könnten. Denn das beat1060 hat ein ganz besonderes Preismodell: Die Sliding Scale. Ich habe die Leiterin des Tanzstudios Christina Böhm getroffen, um sie darüber auszufragen.

Ein Platz für alle im beat1060
Ein Platz für alle im beat1060

Eine “Sliding Scale” für Zugänglichkeit.

Was ist die Sliding Scale? 

Christina: Das ist ein Preismodell. Das heißt, wir haben einen normalen Tarif und von dem ausgehend gibt’s die Möglichkeit weniger oder mehr zu bezahlen. Egal ob man ein niedriges Einkommen hat, studiert und nichts verdient, keine Eltern hat, die einen gut supporten können oder ob man alleinerziehend ist. Manche Menschen haben zum Beispiel auch in der Pension kein hohes Einkommen. Alle, die “normal” verdienen, oder “normale” finanzielle Ressourcen haben, können den Standardtarif wählen. Und diejenigen, die dieses Modell unterstützen wollen, können mehr bezahlen. 

Wieso macht ihr eine Sliding Scale? 

Wir hatten früher einen normalen Tarif und einen Ermäßigten für Studierende. Aber ich finde es einfach ein bisschen unfair. Nur weil man studiert, heißt das nicht, dass man wenig Geld hat. Es gibt Studierende, die haben genug Geld. Gleichzeitig hat man nicht automatisch viel Geld, nur weil man nicht studiert. Wer zum Beispiel auch im Kunstbereich tätig ist, weiß, wovon wir reden. Dazu kommt, dass  es für viele Menschen oft unangenehm ist, über Geld zu reden. 

Christina Böhm, Leiterin des beat1060
Christina Böhm, Leiterin des beat1060

Gegenseitiger Support als System.

Eine Sliding Scale kann auch ausgenutzt werden. Wie geht es dir mit dem Gedanken? 

Christina: Ich bin mir sicher, dass es Personen gibt, die das ausnutzen. Ich glaube, es ist aber wirklich die Minderheit, die kann man an einer Hand abzählen. Genau sagen kann man das nie. Aber der Nutzen ist einfach viel größer: Es gibt viele Leute, die dankbar dafür sind, dass sie weniger zahlen können und viele, die sich das leisten können und es gerne unterstützen. Das gleicht sich halbwegs aus. 

Neben der Sliding Scale gibt es im beat1060 auch die Community Spots. Da können Menschen einen Block kaufen – sozusagen ein Ticket für mehrere Tanzeinheiten. Diesen Block kaufen sie aber nicht für sich selbst, sondern für irgendeine andere Person. Menschen mit dem Kulturpass oder aus anderen Einrichtungen wie zum Beispiel der Caritas oder dem Verein Ute Bock haben dann die Möglichkeit mitzutanzen und diesen Community Spot zu nutzen.

Im beat1060 haben also auch Menschen mit geringem Einkommen die Möglichkeit, sich zu bewegen und mitzutanzen. Wieso bietet ihr das generell an? 

Christina: Weil alle tanzen sollen. Ich finde das einfach wichtig, dass es die Möglichkeit gibt, weil tanzen einfach so wichtig sein kann. Es kann so eine tolle Unterstützung für einen Menschen auf der körperlichen, psychischen und emotionalen Ebene sein. 

Wir machen das so lange es finanziell möglich ist. Ich hoffe noch sehr lange. “beat1060” steht für “bis endlich alle tanzen” und das ist eine kleine Annäherung dorthin. 

In Semesterkursen oder Workshops bietet das beat1060 verschiedene Tanzrichtungen an. Es gibt zum Beispiel Tanzklassen zu Contemporary, Hip-Hop, Jazz, Street und Club Dances und noch viel mehr. Die Tanzklassen gibt es in verschiedene Levels, von Basic über Basic+ bis zu Intermediate. Also egal ob ihr komplette Anfänger*innen oder schon Profis seid, im beat1060 findet ihr einen Raum in dem ihr tanzen und euch bewegen könnt. Mehr Infos zu den Klassen findet ihr online.

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