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Früher war mehr Abenteuer ** Streugut – Peter Panierer

Veröffentlicht 21. Okt., 2026

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In seinem zweiten Soloprogramm erweist sich der frühere Lehrer als großartiger Geschichtenerzähler.

Es war einmal ein Lehrer, der wollte nebenher auch Kabarettist sein. Doch es brauchte sehr lange, bis Mathias Hofbauer alias Peter Panierer – nicht zuletzt dank eines Schubsers seines Freundes David Scheid – sich traute, eine Kabarettbühne zu betreten. 

Das ist jetzt fast drei Jahre her. Und nun hat er mit seinem zweiten Programm „Streugut“ Premiere im Niedermair gefeiert. Wie im Debüt mit dem bezeichnenden Titel „Intro“ geht es auch diesmal um Floridsdorf. Und um Kinder. Nur Lehrer ist er nicht mehr, sondern Vollzeit-Künstler. Gleich geblieben sind sein cooles Auftreten und sein Humor, der immer noch trocken und bissig ist.

Auch wenn viele Pointen vorhersehbar sind, machen sie trotzdem Spaß und ernten Lacher. Weil Peter Panierer mit den meisten seiner Aussagen den Nagel auf den Kopf trifft. Und so hat das Publikum eine Gaudi, wenn er die Erinnerung an Schulbusfahrten mit Kotz-Amateuren (die er von den Profis unterscheidet, die sich vorausschauend in die erste Reihe gesetzt haben) sehr plastisch schildert – und dabei pubertäre Asozialität beschreibt. Oder wenn er vom (gänzlich jugendfreien) Arzt-Spielen mit einer Siebenjährigen erzählt – und nebenbei das Gesundheitssystem zerlegt. Oder wenn er ebenso anschaulich anhand eines Griechenland-Trips voller Fettnäpfchen erläutert, was echte Freundschaft bedeutet.

Floridsdorfer Schmäh

Dabei gibt er seinen Zuhörer*innen einiges zum Nachdenken mit und bricht das Ganze gleich wieder mit seinem Floridsdorfer Schmäh, der auch vor ihm selbst nicht Halt macht. Währenddessen fiebert das Premierenpublikum bei seinen Storys begeistert mit, denn Peter Panierer erweist sich als großartiger Geschichtenerzähler.

Bleibt die Frage, warum dieses zweite Programm den Titel „Streugut“ trägt. Vielleicht, weil er eine Geschichte nach der anderen einstreut, wie sie ihm in den Sinn zu kommen scheinen. Streugut halt, das wie der Splitt auf der Straße Halt gibt und dafür sorgt, dass der Kabarettist nicht ins Rutschen kommt. Aber gleichzeitig ist jedes noch so kleine Steinchen unter der Schuhsohle bei jedem Schritt spürbar, den er mit seinem Publikum geht. Und das Gefühl ist so ehrlich, wie sonst nur das, was dem Kabarettisten sonst nur von Kindern entgegen schallt.

Schadenfreude und Mitleid 

Wenn er seine Geschichten erzählt, wird klar: Früher war nicht alles besser. Aber es war vielleicht mehr Abenteuer. Und dieses Früher ist auf jeden Fall bestens geeignet als Stoff für ein Soloprogramm. Vor allem dann, wenn man die Vergangenheit mit der Gegenwart abgleichen kann. Dabei erinnert „Streugut“ mitunter ein wenig an das aktuelle Programm von Alex Kristan, der sich in eine ähnliche Richtung entwickelt hat, auch wenn er zwölf Jahre älter ist. 

Peter Panierer jedenfalls liefert beste Unterhaltung für alle, die eine ähnliche Jugend hatten wie der Künstler selbst, der in den Neunzigern sozialisiert wurde. Und für alle, die gerne alt genug wären, um sich an eine solche Jugend zu erinnern. Dabei gehen boshafte Schadenfreude und ernsthaftes Mitleid mit Schwächeren Hand in Hand. Das gilt für seine Jugendgeschichten ebenso wie für einen kurzen Ausflug in die Politik. 

Eigentlich schade, dass er kein Lehrer mehr ist. Aber vielleicht ist es auch besser so, weil er dann nicht mehr nach einem Friseurbesuch seinen Schülern in die Arme laufen kann. Aber das ist eine andere Geschichte, die er ebenfalls in seinem neuen Programm erzählt.

Alle Termine gibt es hier.

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