…wo Kultur noch für alle ist

Insel, Theater, Familie ** Hydra – Antonia Löffler 

Veröffentlicht 01. Okt., 2026

Zum Kulturmagazin

Wie die mythologische Figur der Hydra, finden sich in diesem Roman einige einzelne Geschichten, die an einem Ende zusammenhängen. Was das Lesen ein bisschen schwierig macht.

Zwei Frauen, zwei Zeiten

In Antonia Löfflers Roman befinden wir uns in zwei verschiedenen Zeitebenen: Einmal die Tochter Anna, die im Jahr 2022 einen Flieger verpasst und einmal ihre Mutter Eva, die in den 1990er Jahren als Regieassistentin arbeitet. 

Eingestreut dazwischen ist die Perspektive von Evas Mann und Annas Vater, Thomas. Er schreibt aus der Gegenwart über die Vergangenheit der 1990er Jahre, als er mit seiner Frau auf der griechischen Insel Hydra arbeitete. Ding-ding-ding, Titel genannt! Auf dieser Insel haben Eva und Thomas damals eine Theaterproduktion vorbereitet und dabei ist etwas vorgefallen. Thomas’ bester Freund, der ebenfalls mitarbeitete, ist verschwunden. Das klingt wie ein Krimi – ist es aber nicht wirklich. Es ist ein Element in der Geschichte, auf das irgendwie hingearbeitet wird. Aber man erfährt es auch erst recht spät.

Familiendrama mit Ansage

Der Fokus der ganzen Geschichte sind die beiden Frauenperspektiven. Anna, wie sie ihrer journalistischen Arbeit nachgeht, über ihre Beziehung nachdenkt und zwischenzeitlich wieder bei ihren Eltern einzieht. Eva, die als Regieassistentin startet, auf einem Roadtrip nach Griechenland mit dem besten Freund ihres Mannes bonded und schließlich eine sehr schwierige Produktion begleitet. 

Die familiäre Vergangenheit auf der Insel ist zentral für das Familiengefüge und die Gegenwart der familiären Konstellation. Allerdings fühlt man sich streckenweise wie eine teilnahmslose Leserin, die mit den Positionen und Geschichten gerade nicht viel mitgehen kann. Dabei ist es ein großes Drama: Mann und Frau, offene Beziehung, Kind nun erwachsen und hat eigene Probleme mit der Beziehung. 

Banal und real

Der Blick in die Abläufe der Journalistin ist in Teilen eher spannungslos. Am Ende erfährt man etwas, das den ganzen depressiven Erzählstrang sehr klar erklärt und einiges aufklärt. Der Handlungsstrang der Mutter ist hingegen stärker mit Spannung und interessanten Elementen hinterlegt: man trifft neue Leute bei der Arbeit – wie arbeitet man gemeinsam, wie funktionieren die Gruppen und was ist der eigene Anteil daran? Hier hält der Spannungsbogen bis zum Schluss durch, welcher dann aber ziemlich abrupt passiert. Am Ende will man dann doch noch weiterlesen und gerade Annas Geschichte weiterverfolgen. 

Bester Charakter: die exzentrische Großmutter, die ebenfalls in die matrilineare Geschichte der Familie passt. Doch auch die Auflösung des großen Geheimnisses ist dann für mich eher nicht so aufregend gewesen – was es auch schön banal real macht.

Zum Kulturmagazin