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Zwischen den Welten ** Rausländer – Alltagsprolet

Veröffentlicht 25. Sep., 2026

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Ein Kabarettneuling mit ADHS-Diagnose erweist sich als scharfer politischer Beobachter. 

Da steht er also, zum ersten Mal mit einem richtigen Kabarettprogramm auf einer Bühne: der „Alltagsprolet“. Amar heißt er mit Vornamen, „wir Rama, nur rückwärts“. So rückwärts, wie manche Politiker*innen gewandt sind in seinem Heimatbundesland Niederösterreich, das er gegen Wien-Favoriten getauscht hat. Davon erzählt er in seinem Solodebüt „Rausländer“, an dessen Beginn er feststellt: 

„Ich hab total unterschätzt, wie schwer es ist, ein Kabarettprogramm zu schreiben, wenn man keine Ahnung von Kabarett hat.“ 

Nachsatz: „Vielleicht wäre es leichter gewesen, wenn ich mich für Politik interessiert hätte.“ 

Sein Skript ist sorgfältig ausgearbeitet

Ganz schön boshaft ist er also, der „Alltagsprolet“. Und schreiben kann er auch. Das Skript für dieses erste Programm, das aktuell eineinviertel Stunden dauert (weshalb die Premiere in der Spätschicht im Kabarett Niedermair stattfinden konnte), ist sorgfältig ausgearbeitet. Dass der Vortrag des Textes noch ein bisschen steif ausfällt, weil eben die Bühnenerfahrung fehlt, verzeiht man ihm gern. 

Denn erstens ist seine Stimme angenehm ruhig und tief. Und zweitens erweist er sich als scharfer politischer Beobachter, wenn er sich an Niederösterreich und seinen Politiker*innen abarbeitet, an den Themen Integration und Gesellschaft, Klimakrise und KI. Und wenn der Mann mit dem kurzgeschorenen Haupthaar, dem gestutzten Bart, der schwarzen Brille und dem trainierten Körper unter dem lässigen Outfit über Frauenrechte und Gendern spricht, dann wirkt er dabei absolut authentisch und nicht aufgesetzt.

Sprachperlen im Niemandsland zwischen alter und neuer Heimat

Währenddessen jongliert er drei Bälle. Warum? Weil sein ADHS ihn zwingt, immer was nebenbei zu machen, wenn reden alleine zu fad für ihn wird. Außerdem macht es ihn chaotisch und unstrukturiert. Mit dieser (von einem echten Arzt fundiert ausgestellten) Diagnose spielt er ein bisschen, ebenso mit dem Lampenfieber, das er augenscheinlich hat. Trotzdem wirkt er für einen Neuling schon recht abgebrüht. Wohl auch, weil er sich einen Text zurechtgelegt hat, der Lacher garantiert und das Publikum begeistert. 

Denn zwischen mehreren von der Regie (Antonia Stabinger) aufgetragenen „Beidl-Witzen“ hat er ein paar echte Sprachperlen untergebracht, der balkanstämmige Kabarettist, der irgendwie zwischen zwei Welten im Nirgendwo hängt. Für einen „Jugo“ schon zu gut integriert und für einen „Schwabo“ zu migrantisch, für einen Wiener zu sehr „Zuag’raster“ und für einen Niederösterreicher schon zu sehr in Wien beheimatet. 

In diesem Niemandsland zwischen alter und neuer Heimat spielt er in „Rausländer“ seinen trockenen Humor aus, der recht derb und nicht unbedingt jugendfrei, aber sehr unterhaltsam ist. Seinem Künstlernamen „Alltagsprolet“ wird Amar absolut gerecht. Allerdings ist sein Humor intellektueller, als er den Anschein erwecken will. 

Alle Termine von Amar im Kabarett Niedermair findest du hier. 

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